Internet für alle

Internet für alleEs klingt wie das Paradies für jeden Netzfreund: Einfach das Smartphone einschalten, ins öffentliche, kostenlose WLAN einloggen und lossurfen – flächendeckend, schnell, ohne zusätzliche Kosten für mobiles Internet. Das sogenannte "Internet für alle", so die Bezeichnung für das Wunschszenario, soll in dieser Form bald Realität werden – zumindest in einigen westliche Industrienationen. Bis 2025 fordern die führenden Industrie- und Schwellenländer der sogenannten "G20" das schnelle Internet für jeden. Deutschland ist davon, bis auf wenige Ausnahmen, aber noch weit entfernt.

Schnelles Internet auch in der Kommune?

Vor allem im ländlichen Raum verläuft der Breitbandausbau schleppend. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland beim Internet weit hinterher. Die alten Kupferkabel können nicht mehr die Geschwindigkeit leisten, die für viele Internetanwendungen nötig ist. Telekommunikationsanbieter scheuen sich aber bislang vor dem Verlegen der teuren Glasfaserkabel und versuchen lieber, das Letzte aus den alten Kabeln herauszuholen. Viele Kunden sind in Deutschland deswegen sauer – und auch die Wirtschaft leidet: Wo es kein schnelles Internet gibt, zieht der Nachwuchs lieber weg und der Mittelstand wechselt seinen Standort. Bis 2018 will der Bund deswegen den Breitbandausbau bis in den ländlichen Raum realisieren. Das Mammutprojekt soll laut Schätzungen einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten.

"Internet für alle" im Selbstversuch: Freifunk in Städten

Freifunk-WellenEinige Städte in Deutschland nehmen "Internet für alle" seit einiger Zeit aber bereits wörtlich und versuchen, den flächendeckenden Anschluss per Freifunk einfach selbst zu organisieren. In der Pforzheimer Innenstadt beispielsweise können sich die Einwohner der Stadt gegen eine einmalige Registrierungsgebühr im örtlichen WLAN anmelden und dann kostenlos surfen. Vorangetrieben hat das ein Verein, die "Medien-/IT-Initiative Pforzheim e.V.". Ihr Anliegen war es, vor allem den IT-Standort Pforzheim zu stärken und den Aufenthalt dort für Mitarbeiter der Branche so komfortabel wie möglich zu gestalten. In einigen anderen Städten gibt es ähnliche Projekte, die sich der sogenannten Freifunk-Szene zuordnen lassen. Die Idee hinter Freifunk: Private Anwender stellen ihre Netzwerk-Infrakstruktur einfach allen zur Verfügung und bauen so ein kollektives Netzwerk auf, dass im Idealfall eine ganze Stadt abdecken kann. In kleinen Kommunen in NRW, wie zum Beispiel in Soest, funktioniert das bereits. Auch viele Großstädte haben eine Freifunk-Szene, auch wenn der Bedarf insbesondere in Städten wie Berlin und Hamburg nicht so groß ist wie in schlecht angebundenen Kleinstädten. Das ist nicht überraschend: Erstens sind diese Städte meistens bereits hervorragend angeschlossen und zweitens findet man durch die extrem hohe Dichte an Coffeeshops, Restaurants, Einkaufszentren etc. hier spielend leicht beinahe überall ein freies Netz.

Eine Hürde für den Freifunk ist genommen: die Störerhaftung

Bislang stand der Freifunk-Szene in Deutschland vor allem ein Gesetz im Weg: die sogenannte Störerhaftung. Dieses Gesetz, dass es so nur in Deutschland gibt, besagt, dass der Anbieter einer Netz-Infrastruktur auch für die darüber betriebenen Aktivitäten haften muss. Wenn sich also jemand erdreistet, über einen Freifunk-Anbieter illegales Streaming zu betreiben, wird im Zweifelsfall nicht der eigentliche Verursacher, sondern der Anbieter des freien Netzes zur Kasse gebeten. Das soll sich jetzt ändern: Im September 2017 ging ein Gesetz durch den Bundesrat, dass die Störerhaftung nun abschaffen soll. Bislang lösten viele Hotspot-Betreiber das nervige Haftungsproblem, indem der Kunde vor dem Einloggen in das Netz einer AGB zustimmen oder sich registrieren musste. Bald soll freies WLAN nun aber auch in Deutschland unkompliziert zur Verfügung stehen – so wie es in anderen Ländern bereits gängige Praxis ist.